Kleidung im Mittelalter wurde immer mit weißem Leinen gefüttert

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Ein weiterer beliebter Reenactment Mythos, besagt, daß im Mittelalter und in der Renaissance fast alle Kleidungsstücke mit weißem Leinen gefüttert wurden.

Ein kurzer Blick auf die Quellen zeigt, daß die meisten kleidungsstücke des Mittelalters und der Renaissance garnicht gefüttert waren.

Z. B. zeigt dieses Dürer gemälder von 1503 den Blick auf einen aufgekrempelten Beinling, der nicht gefüttert ist, ebenso kann man die Innenseite der Ungefütterten Tunica neben dem Berin sehen und auch bei dem nebenstehenden älteren Mann kann man am Handgelenk auf die Innenseite des Ungefütterten Tunica Ärmels scheuen.

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Wärmende Überkleider wurden niemals mit Leinen gefüttert, aber sehr häufig mit Pelz.

Als besonders modisch galt dabei das Fell des grauen Eichhörnchens, "Feh" genannt.

Die Preiswerte Variante war das "Buntwerk", bei dem das Gesammte Fell verarbeitet wurde. Das Grauwerk, bei dem nur das graue Rückenfell verwendet wurde, galt als besonders Edel und vornehm und wurde nur von sehr wohlhabenden Personen getragen.

Im Prinzip läßt sich sagen:

Im Mittelalter wurden nicht mehr, aber auch nicht weniger Kleidungsstücke gefüttert als heute.

Niemand würde heutzutage auf die Idee kommen eine Jeans oder ein T-Shirt zu füttern. ebenso wurde die mittelalterliche Tunica im allgemeinen auch nicht gefüttert.

Einzig und allein besonders repräsentative Stücke, bei denen die Innenseite des Kleidungsstückes durch Reffungen oder Schlitzungen präsentiert wurden, wurden mit edlen Stoffen, wie Seide oder Brokat gefüttert.

Eine Leinenfütterung wurde immer dann verwendet, wenn sie Sinn machte - also entweder bei aufgepolsterten Kleidungsstücken, wie den wattierten Doublets der Renaissance (um die Wattierung zu bedecken), oder bei Kleidungsstücken, die einer hohen Zugbelastung ausgesetzt waren, wie den Wämsern, mit angenestelten Hosen (um zu verhindern, das der nicht so zugfeste, meist wollene Oberstoff reißt)

Die zahlreiche Leinenfütterungen, die man bei Originalen in Museen heute bei beinahe jedem mittelalterlichen Kleidungsstück findet, sind im 19. Jahrhundert aus konservatorischen Gründen eingenäht worden um das alte Gewebe vor dem zerreißen zu schützen.